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PFIFF ist ein vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der bundesweiten Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) gefördertes Projekt.logo_der_inqa.jpg
 
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Die Ergebnisse

Die neurophysiologische Untersuchung
Dr. Patrick Gajewski
Leibnitz Institut für Arbeitsforschung an der TU-Dortmund (IfADo)


Bei der Testbatterie zur Messung der kognitiven Fähigkeiten handelte es sich um eine Serie von PC-gestützten Tests zur Messung der kognitiven Flexibilität, der Daueraufmerksamkeit, der Hemmung von habituellen Reaktionen sowie der Arbeitsgedächtniskapazität.  

 
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Messung der kognitiven Flexibilität und Arbeitsgedächtnisbelastung

Das Aufgabenwechselparadigma wird als ein Modell für den Einfluss eines ständigen Wechsels der Umweltanforderungen auf das kognitive System eingesetzt (Meiran 2008; Monsell 2003; Rogers & Monsell 1995). Das bei PFIFF benutzte Paradigma wurde zusammen mit der BauA Berlin (Dr.Freude, Dr.Schapkin, Herr Erdmann) entwickelt.

In der Untersuchung wurde in jedem Durchgang eine Zahl von 1 bis 9 (ausgenommen 5) für 300 ms dargeboten. Je nach Aufgabenart sollten die Probanden die Zahlen danach kategorisieren, ob die Zahl

a)  kleiner oder größer als 5 ist (NUM für numerisches Urteil),

b)  gerade oder ungerade ist (GER für Geradzahligkeit) und

c)  ob sie in kleiner oder großer Schrift erscheint
     (SCH für Schriftgröße).

Die Antwort sollte mit einer von zwei Tasten (links oder rechts) so schnell wie möglich erfolgen.

 

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Zunächst wurden die drei Aufgabenregeln in separaten Blöcken einzeln bearbeitet. In den nachfolgenden Blöcken wurden die Aufgaben:


  1. in einer zufälligen Reihenfolge bearbeitet (der Aufgabentyp wurde angezeigt; exogener Wechsel),
  2. in einer festen Reihenfolge bearbeitet (der Aufgabentyp wechselte alle drei Durchgänge; endogener Wechsel).
  3. In einem dritten Block wurde trotz der festen Abfolge der Aufgabentyp angezeigt (endogener + exogener Wechsel).
Die 'spezifischen Wechselkosten', die als Maß für Flexibilität/Rigidität des kognitiven Systems interpretiert werden (z.B. Meiran 2008), wurden in den gemischten Blöcken ermittelt. Dazu wurden die Reaktionszeiten in dem ersten Durchgang, nach dem die Aufgabe gewechselt hat, mit Wiederholungen der Aufgaben in dem gleichen Block verglichen (z.B. NUM GER vs. NUM NUM).

Ergebnisse: Ältere Probanden sind konsistent langsamer als junge. Bei den Aufgaben, in denen ein endogener Wechsel gefordert wird, sind ältere Beschäftigte aus dem Bereich Produktion (AP) langsamer als ältere aus dem Bereich Instandhaltung/Qualitätssicherung (AQ). Dieser Unterschied verschwindet, wenn der Wechsel exogen angestoßen wird. Dieses Muster trifft ebenfalls auf die Anzahl der Fehler zu.

Wichtiger ist jedoch die Beobachtung, dass das Ausmaß der spezifischen Wechselkosten für alle Gruppen ähnlich ist. Mit anderen Worten: Die Fähigkeit zum schnellen Wechseln zwischen den Aufgaben  - als ein Maß für kognitive Flexibilität  -  unterscheidet sich nicht zwischen jungen und älteren Probanden.

 

Die so genannten 'globalen Wechselkosten' (oder Mischkosten z.B. Kray 2006) stellen ein Maß für die Arbeitsgedächtnisbelastung dar. Die Kosten werden berechnet, in dem für jeden Probanden der Mittelwert der Reaktionszeiten in einfachen Aufgaben ermittelt und mit den Wiederholungen der Aufgaben aus den gemischten Blöcken vergleichen wird. Da man in den gemischten Blöcken (insbesondere in Blöcken ohne Hinweisreize) alle drei Aufgaben ständig bereithalten muss, ist die Gedächtnisbelastung höher als bei den einfachen Aufgaben.

Ergebnisse: Die globalen Wechselkosten sind bei Älteren höher als bei jungen Personen. Das hängt offenbar mit der Schwierigkeit zusammen, mehrere Aufgaben simultan im Gedächtnis aufrecht zu erhalten und/oder die relevante Aufgabe selektiv auszuwählen.
Hinsichtlich der Fehlerraten schneiden die älteren Beschäftigten aus dem Bereich Produktion (AP) überproportional schlecht ab. Dies spiegelt sich ebenfalls in den elektrophysiologischen Daten wider: Die späte Positivierung (P300) und die Fehlernegativität (Ne; Falkenstein et al. 1991) sind bei den älteren Beschäftigten aus dem Produktionsbereich deutlich abgeschwächt, was als Beeinträchtigung der Ressourcen-Zuordnung und der Fehlerkontrolle interpretiert werden kann.

 

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Messung der Hemmung von habituellen Reaktionen


Die sogenannte Go/NoGo Aufgabe misst Hemmungsprozesse, die  bei Älteren u.U. nachlassen (z.B. Kok 1999). Dabei ist die Anzahl der nicht erfolgreich gehemmten Reaktionen das wichtigste Maß für ein Hemmungsdefizit. In dem Test sollen die Probanden so schnell wie möglich eine Taste drücken, wenn sie einen Buchstaben sehen, außer bei einem selten präsentierten Buchstaben ‚X' (NoGo Durchgänge).

Ergebnisse: Die älteren Probanden scheinen weniger NoGo Durchgänge zu übersehen als die jungen. Allerdings antworten insbesondere die älteren Produktionsbeschäftigten (AP) deutlich langsamer als alle anderen Probandengruppen. Dies deutet auf eine von Älteren häufig benutzte Strategie, bei der die Genauigkeit auf Kosten der Schnelligkeit verbessert wird. Um diese Verzerrung auszugleichen, wird ein Quotient aus Reaktionszeit und Anzahl der korrekten Antworten errechnet (inverse Effizienz; IE; Townsend & Ashby 1983). Ein niedriger Wert indiziert gute Leistung. Der IE ist bei den älteren Produktionsbeschäftigten (AP) signifikant höher, d.h. ihre Leistung relativ niedriger, als in allen andern Gruppen. Absolut gesehen machen jedoch die jungen Beschäftigten aus der Nichtproduktion die meisten falschen Alarme.

 

Messung der Entscheidungsfähigkeit bei einer Wahlreaktionsaufgabe

Die Wahlreaktionsaufgabe ist konzeptuell ähnlich zu der Go/NoGo Aufgabe. Sie misst die sogenannte Interferenz zwischen zwei sich ausschließenden Reaktionstendenzen (auf den Zielreiz vs. Nichtzielreiz; Braver et al. 2001). Die Interferenz wird größer, je weniger ein solches Ereignis erwartet wird. Dabei sollen die Probanden so schnell wie möglich eine Taste drücken, wenn sie einen Buchstaben sehen. Bei dem Buchstaben X sollen sie die andere Taste drücken.

Ergebnisse: Die Reaktion auf die Zielreize hin war in allen Gruppen verlängert. Ähnlich wie in der Go/NoGo Aufgabe ist die Reaktionszeit bei den älteren Produktionsbeschäftigten (AP) am höchsten, gefolgt von den älteren Nichtproduktionsbeschäftigten (AQ). Die beiden Gruppen der jungen Probanden (JP und JQ) unterscheiden sich nicht.

Die wenigsten verpassten Antworten und falschen Alarme haben die älteren Beschäftigten aus der Produktion (AP). Allerdings sind sie auch hier am langsamsten. Der IE-Quotient zeigt signifikant schlechtere Gesamtleistung bei den älteren Beschäftigten aus der Produktion (AP) im Vergleich zu den jungen Probanden aus der Produktion (JP) und tendenziell zu den älteren Nichtproduktionsbeschäftigten (AQ).

 

Messung der Daueraufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnisleistung

Die sogenannte 2-back Aufgabe (z.B. Verhaeghen et al. 2005) erfordert eine kontinuierliche Aktualisierung von Informationen und einen ständigen Abgleich mit vergangenen Informationen. In der Aufgabe soll eine Taste nur dann gedrückt werden, wenn der aktuelle Buchstabe mit dem Buchstaben aus dem vorletzten Durchgang gleich ist. Die Zielreizpaare wurden in unterschiedlichen Abständen voneinander präsentiert (2, 3, 4 oder 5 Durchgänge).

 

Ergebnisse: Bei der 2-back Aufgabe ist das Reaktionszeitmuster ähnlich wie bei den anderen Aufgaben. Hinsichtlich der nicht entdeckten Zielreize unterscheiden sich die Gruppen nicht. Allerdings sind auch hier Reaktionszeitunterschiede zwischen den Gruppen enorm. Der IE-Quotient lag bei den älteren signifikant höher als bei den jungen Probanden. Die Entdeckungsrate wurde mit zunehmendem Intervall zwischen zwei Zielreizen besser. Beim längsten Intervall (5 Durchgänge dazwischen) wurde eine deutlich schlechtere Leistung bei älteren  - verglichen mit jungen Probanden  - unabhängig von der Tätigkeitsart festgestellt.

 

 

Die Fragebogenuntersuchung

Dipl.-Psych. Catharina Stahn

ISE - Lehrstuhl für Industrial Sales Engineering, Ruhr-Universität Bochum

Die Arbeitsplatzmerkmale wurden detailliert analysiert, da bereits zahlreiche Untersuchungen gezeigt haben, dass

1.    anspruchsvolle und komplexe Arbeit als wichtige geistige Stimulierung dient, um den Altersabbau zu verringern (Bosma et al. 2003; Christensen & Mackinnon 1993; Crowe et al. 2003; Hultsch et al. 1999; Schooler & Maulatu 2001; Singh-Manoux et al. 2003),

2.    der positive Einfluss anspruchsvoller Tätigkeit auf die kognitive Leistungsfähigkeit mit steigendem Alter sogar zu nimmt (Warr 1995; Schooler et al. 1999) und

3.    Defizite entstehen, wenn geistige Funktionen durch die Tätigkeit in einem bestimmten Arbeitsfeld nicht beansprucht und gefördert werden (Estryn-Behar et al. 2005) und monotone Tätigkeiten im Berufsleben dominieren (Rowe & Kahn 1998).

 

Die aufgeführten Ergebnisse zeigen die berechneten Mittelwerte der vier Gruppen. Wir haben das Antwortformat der einzelnen Fragebogenskalen (Glossar Fragebogenskalen einfügen) angegeben, damit Sie anhand der dargestellten Mittelwerte der Teilnehmer sehen können, welche Zahl die entsprechende Gruppe (im Mittel) angekreuzt hat.  

 

Fragebogen zum Modell beruflicher Gratifikationskrisen (Effort-reward imbalance at work questionnaire, ERI)

Das Modell beruflicher Gratifikationskrisen ist ein Modell zur Messung von psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz. Es wird davon ausgegangen, dass das Erleben dauerhafter psychosozialer Beanspruchung am Arbeitsplatz aus der mangelnden Balance zwischen hoher beruflicher Verausgabung (effort) und niedrigen Belohnungschancen (reward) resultiert.  Eine berufliche Gratifikationskrise entsteht also dann, wenn sich Menschen immer wieder stark verausgaben, ohne eine angemessene Belohnung zu erhalten. Der Fragebogen besteht aus drei Subskalen:

  • „Verausgabung",
  • „Belohnung" sowie
  • „berufliche Verausgabungsbereitschaft" (overcommitment) und hat ein
5-stufiges Antwortformat (von „1 = nein" bis „5 = ja, und das belastet mich sehr stark").

 

Ergebnis für die Subskala „Verausgabung"

 Je höher der Wert ausfällt, desto höher ist die Verausgabung.

Beispielfrage: Im Laufe der letzten Jahre ist meine Arbeit immer mehr geworden.

 

Den höchsten Mittelwert wies die Gruppe „taktgebundene Tätigkeit, älter (AP)" (2,80) auf, den niedrigsten Wert hatte die Gruppe „flexible Tätigkeit, jung (JQ)" (1,68).

 

Ergebnis für die Subskala „Belohnung":

Je höher der Wert, desto mehr berufsbezogene Belohnungen erwartet die Person zu erhalten.

Beispielfrage: Ich erhalte von meinen Vorgesetzten die Anerkennung, die ich verdiene.

Den höchsten Mittelwert hatte die Gruppe „taktgebundene Tätigkeit, jung (JP)" (2,78), den niedrigsten Wert die Gruppe „flexible Tätigkeit, jung (JQ)" (1,65).

 

Fragebogen zur kognitiven Stimulierung bei der Arbeit

Dieser Fragebogen erfasst, inwieweit wir durch unsere Arbeit geistig gefordert werden.

  • Antwortformat: ja/nein
  • Eine Gesamtskala: Je höher der Wert, desto größer die kognitive Stimulierung bei der Arbeit.
Beispielfrage: Meine Arbeit erlaubt mir, neue Sachen zu lernen.

Den höchsten Mittelwert hatte die Gruppe „flexible Tätigkeit, älter (AQ)" (5,3), den niedrigsten Wert wies die Gruppe „taktgebundene Tätigkeit, jung (JP)" (3,39) auf.

 

Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ) zur Erfassung psychischer Belastungen und Beanspruchungen bei der Arbeit

Beim COPSOQ-Fragebogen handelt es sich um ein Instrument zur Erfassung psychischer Belastungen und Beanspruchungen bei der Arbeit. Es besteht aus 25 Subskalen mit insgesamt 87 Items.

  • 5-stufiges Antwortformat (von „1 = immer" bis „5 = nie/fast nie")
 

Ergebnis für die Subskala „Quantitative Anforderungen"

Je höher der Wert ist, desto stärker ist die Skala ausgeprägt.

Beispielfrage: Ist Ihre Arbeit ungleich verteilt, so dass sie sich auftürmt?

Den höchsten Wert hatte die Gruppe „flexible Tätigkeit, älter (AQ)" (52,72), den niedrigsten Wert zeigte die Gruppe „flexible Tätigkeit, jung (JQ)" (27,68).

 

Ergebnis für die Subskala „Emotionale Anforderungen"

Je höher der Wert ist, desto stärker ist die Skala ausgeprägt.

Beispielfrage: Bringt Ihre Arbeit Sie in emotional belastende Situationen?

Die Gruppe „flexible Tätigkeit, älter (AQ)" (46,21) hatte den höchsten Mittelwert, die Gruppe „flexible Tätigkeit, jung (JQ)" (25,79) wies den niedrigsten Mittelwert auf.

 

Ergebnis für die Subskala „Einfluss bei der Arbeit"

Je höher der Wert ist, desto stärker ist die Skala ausgeprägt.

Beispielfrage: Haben Sie Einfluss darauf, was Sie bei Ihrer Arbeit tun?

Den höchsten Mittelwert hatte die Gruppe „flexible Tätigkeit, älter (AQ)" (50,82), den niedrigsten Wert wies die Gruppe „taktgebundene Tätigkeit, jung (JP)" (28,8) auf.

 

Ergebnis für die Subskala „Entscheidungsspielraum"

Je höher der Wert ist, desto stärker ist die Skala ausgeprägt.

Beispielfrage: Können Sie selbst bestimmen, wann Sie eine Pause machen?

Die Gruppe „flexible Tätigkeit, älter (AQ)" (48,64), hatte den höchsten Wert, die Gruppe „taktgebundene Tätigkeit, jung (JP)" (22,01) hatte den niedrigsten Wert.

 

Ergebnis für die Subskala „Entwicklungsmöglichkeiten"

Je höher der Wert ist, desto stärker ist die Skala ausgeprägt.

Beispielfrage: Können Sie Ihre Fertigkeiten oder Ihr Fachwissen bei Ihrer Arbeit anwenden?

Die Gruppe „flexible Tätigkeit, jung (JQ)" (68,15) hatte den höchsten Mittelwert, die Gruppe „taktgebundene Tätigkeit, jung (JP)" (36,23) den niedrigsten Wert.

Ergebnis für die Subskala „Vorhersehbarkeit"

Je höher der Wert ist, desto stärker ist die Skala ausgeprägt.

Beispielfrage: Erhalten Sie alle Informationen, die Sie brauchen, um Ihre Arbeit gut zu erledigen?

Den höchsten Wert hatte die Gruppe „flexible Tätigkeit, jung (JQ)" (65,48), die Gruppe „flexible Tätigkeit, älter (AQ)" (40,22) wies den niedrigsten Wert auf.